Download als PDF![]()
Download als RTF
Aus Sicht des Datenschutzes kann man - wenn auch nicht pauschal - die so genannten RSS-Feeds als eine "milde" Form der Web-2.0-Nutzung bezeichnen.
Über die wahre Bedeutung der Abkürzung "RSS" gibt es unterschiedliche Meinungen. Um Sie nicht unnötig zu verwirren, unterlassen wir hier jeden Versuch einer Auflistung. Im Kern geht es bei RSS um Folgendes: Damit Sie als Internet-Nutzer auf dem Laufenden bleiben über die ständig aktualisierten Inhalte Sie interessierender Webseiten, müssen Sie diese im Prinzip ständig erneut aufrufen. Um Ihnen das zu erleichtern, stellen viele Anbieter von Web-Inhalten ihre Texte oder einen Teil davon nun in einem besonderen Format zur Verfügung. Sie als Anwender können diese Dateien nun als so genannte "Feeds" abonnieren. Das bedeutet: Sie wählen die gewünschten Themenbereiche oder Anbieter aus und stellen durch einen Klick sicher, dass Ihnen regelmäßig die aktuellen Nachrichten oder Angebote dieser Anbieter oder dieser Themen automatisch zugestellt werden.
Sie benötigen dafür nur einen "Feed-Reader", also ein Programm, das Ihnen das Lesen dieses Dateiformats ermöglicht. Dieser Reader sorgt übrigens auch dafür, die abonnierten Seiten regelmäßig zu überprüfen und neuere Inhalte abzurufen. Zum einen gibt es solche Reader als meist kostenlose externe Programme, die Sie installieren müssen - zum anderen aber sind in den meisten heute gängigen Internet-Browsern und E-Mail-Programmen solche Reader bereits eingebaut: Ob Microsofts Outlook oder Internet Explorer, ob Mozillas Thunderbird oder Firefox, ob Opera oder Lotus - Sie als Anwender müssen sich um die Einrichtung eines Feed-Readers keine Gedanken machen. Ein, zwei Klicks - und Sie bleiben informiert, so einfach ist das.
Na, gut, es wird Sie als Leserin oder Leser dieser Seiten nicht überraschen, wenn wir Ihnen sagen: Was einfach scheint, birgt auch Risiken. Für Ihre Privatheit.
Wenn Sie nämlich RSS-Feeds abonnieren, müssen Sie damit rechnen, dass der jeweilige Anbieter eine gewisse Menge der aus Ihrer Verbindung sich ergebenden Daten protokolliert, vielleicht auch speichert oder unter bestimmten, möglicherweise eingegrenzten, Bedingungen auswertet. Die Einzelheiten dessen, was einzelne Anbieter Ihnen in dieser Hinsicht zumuten oder vielleicht auch zu Ihrem Schutz garantieren, finden Sie in der Regel mehr oder weniger gut versteckt in den jeweiligen Datenschutz-Richtlinien. Aber sich da hindurch zu arbeiten (und alles zu verstehen), ist nicht immer ganz einfach: Sie müssen für sich entscheiden, ob Ihnen das die Mühe wert ist, ob Sie Risiken für Ihre Privatheit hinnehmen möchten - oder auf ein bestimmtes Feed lieber verzichten.
Selbstverständlich können Sie Ihr Abonnement von RSS-Feeds auf Anbieter wie die ARD-"Tagesschau" oder ZDF-"heute" beschränken: Bei diesen öffentlich-rechtlichen Anbietern mit werbefreiem Internetangebot können Sie in der Regel davon ausgehen, dass dort niemand Interesse hat an einer kommerziellen Auswertung Ihrer Verbindungsdaten. Die ARD etwa listet detailliert auf, welche Daten sie sammelt und warum - und sichert anschließend ausdrücklich zu, diese Daten würden "weder an Dritte veräußert noch unentgeltlich weitergegeben". Ähnliche Auskünfte finden Sie auch beim ZDF, der Sender ergänzt dies aber noch durch das Versprechen: "Sie können unser Online-Angebot grundsätzlich ohne Offenlegung Ihrer Identität nutzen."
Daneben gibt es andere Feed-Anbieter wie beispielsweise manche große Tageszeitung oder spezielle Online-Nachrichtenkanäle wie etwa die "Netzeitung". Hier sind die Angebote schon sehr viel deutlicher mit Werbung durchsetzt, auch hier werden Verbindungsdaten einschließlich IP-Adresse, aufgerufener Webseite, abonnierter RSS-Feeds, verwendeter Soft- und Hardware protokolliert. Meist wird Ihnen dabei zugesichert, das diene lediglich systemspezifischen oder statistischen Zwecken - aber es sind Daten, die selbst dann werblich verwertbar sind, wenn sie nicht mit personenbezogenen Informationen verknüpft werden können: Denn die meisten solcher Anbieter arbeiten mit den schon zuvor beschriebenen "Cookies" und geben das in der Regel auch offen zu.
Anhand dieser kleinen, bei Ihnen auf dem PC abgelegten Dateien werden Sie bei wiederholten Besuchen beziehungsweise als Feed-Abonnent wiedererkannt. Folglich kann auch auf den Ihnen angebotenen Seiten platzierte Werbung gesteuert werden - nach Ihren Interessengebieten (welche Themen haben Sie abonniert?), nach Ihren Gewohnheiten (wie oft rufen Sie Informationen ab?), nach Ihrer technischen Ausstattung (Windows-User sehen andere Werbung als Linux-Nutzer) und vieles andere mehr. Viele Anbieter von RSS-Feeds setzen Cookies bei Nutzung ihrer Angebote nicht zwingend voraus: Spätestens, wenn Ihnen also - egal, mit welchen Begründungen - Cookies zwingend abverlangt werden, sollten Sie auf das jeweilige Angebot lieber verzichten.
Wenn Sie allerdings im Rahmen eines RSS-Feed-Abonnements sich auf eine personenbezogene Anmeldung oder Registrierung einlassen, wenn Sie Fragen stellen oder beantworten, die einen direkten Kontakt zu Ihnen erfordern oder einschließen, wenn Sie online irgendwelche Verträge abschließen oder Bestellungen aufgeben - dann haben Sie aus Datenschutzsicht jeweils "verloren", dann büßen Sie zwangsläufig Ihre weitgehende Anonymität gegenüber dem Anbieter ein. Auf diese Weise erhobene Daten dürfen nämlich in der Regel erfasst, gespeichert und vielleicht auch an Dritte weitergegeben werden - zum Zwecke der Vertragsabwicklung (beispielsweise Weitergabe von Bestelldaten an Lieferanten) oder zu Abrechnungszwecken. Und in welcher Form so erfasste Daten dann statistisch ausgewertet oder anderweitig zum Aufbau oder zur Verfeinerung personenbezogener Profile genutzt werden, ist vielleicht im "Kleingedruckten" der Geschäftsbedingungen oder Datenschutzregeln des Anbieters nachzulesen. Aber die Einhaltung solcher Regeln, wenn es sie denn gibt, entzieht sich in jedem Falle Ihrer Kontrolle.
Das wird, darauf sei abschließend hingewiesen, besonders deutlich in so genannten "communities", die von privaten Betreibern werbefinanziert für bestimmte Interessengruppen von "Bildung und Beruf" über "Spiele & Games" bis hin zu Flirt oder Erotik angeboten werden. Da finden sich dann in den Datenschutzregeln schon mal so dehnbare Formulierungen wie etwa, dass die Erhebung personenbezogener Daten "soweit möglich stets auf freiwilliger Basis" erfolge: Was meinen Sie - ob Sie von solchen Anbietern wohl informiert werden, ab wann sich diese Freiwilligkeit als "leider unmöglich" erweist? Solche Datenschutzregeln sind weder das Papier wert, auf dem man sie druckt, noch den Speicherplatz, den sie auf einem womöglich im Ausland stehenden Server benötigen.
RSS-Feeds können ein attraktives Hilfsmittel sein, Ihre ganz persönliche Liane, um sich durch den Dschungel der Internet-Informationen zu hangeln. Aber Sie sollten unbedingt darauf achten, von dieser Liane weder abzurutschen noch sich in ihr fesseln zu lassen - Ihre Privatheit ist ein Stück Ihrer Freiheit.
< voriger Artikel nächster Artikel >