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Überwachung auf Schritt und Tritt ist möglich.

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Stand November 2008
RFID-Chips in Fahrkarten und Tickets: Exakte Bewegungs-Profile

Wo immer von Verbraucher- oder Kundenprofilen die Rede ist, spielen die Aspekte individueller Mobilität eine zentrale Rolle. Für jeden Datenhändler ist es zwar nützlich zu wissen, was Otto Meier oder Lieschen Müller verdienen, was sie kaufen oder konsumieren. Aber auch zu wissen, wann sie sich wo wie lange aufhalten, um diese oder andere Bedürfnisse zu befriedigen, das ist wie das Sahnehäubchen auf der Suppe. Und als Garnierung auf der Sahne gilt dann die Möglichkeit, derartige Erkenntnisse auch noch mit anderen Bewegungs- und Zieldaten verknüpfen, beispielsweise unterscheiden zu können, welche Fahrt zum Kaufhaus, zur Bücherei, zur Kunsthalle, zum Stadion oder ins Konzert geführt hat.

Der "gläserne Kunde" ist längst keine Vision mehr. Oftmals haben Sie bei normalem Durchschnittsverhalten heute gar keine Chance mehr, der heimlichen Erfassung Ihrer Daten zu entgehen. Und die hier beschriebene RFID-Technik spielt dabei eine maßgebliche Rolle, wie wir Ihnen zuvor am Beispiel Handel bereits zeigen konnten.

Schauen wir auf den Bereich Mobilität: Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Fahrkarte für Ihre Bahnverbindung oder im ÖPNV dem Verkehrsunternehmen mitteilt, wann Sie wie oft und wie lange wohin unterwegs waren? Das ist längst keine Utopie mehr: Ein kleiner Funkchip in Ihrem Ticket, eine digitale Abrechnung Ihrer einzelnen Fahrten nach Start, Ziel und Zeitpunkt, ein heimlicher Zugriff auf diese gespeicherten Daten – und fertig ist das Bewegungsprofil Ihrer Person. Fragt sich nur, wer darauf Zugriff erlangt und was er mit diesen Daten anstellt. Nicht nur anonymes Reisen ist unter solchen Umständen Vergangenheit – wo die Fahrkarten-Chips auch Abrechnungsvorgänge regeln oder beeinflussen, kann neben der Anonymität auch Ihre Kontosicherheit in Gefahr geraten. Ganz zu schweigen von den Risiken, die diese außerhalb Ihrer Kontrolle gespeicherten Datenmengen mit sich bringen können, wenn man sich ausmalt, dass unter gewissen gesellschaftlichen Verhältnissen staatliche Stellen sich derartige Bewegungsprofile zunutze machen.

Von der bargeldlosen Benutzung von Straßenbahn oder Bus mittels einer Kontokarte, die bei Fahrtantritt in einen Terminal gesteckt werden muss (wie etwa in Bremen längst möglich), bis zur RFID-bestückten Fahrkarte ist es nur ein kleiner Schritt. So gibt es Verkehrsverbünde, die diesen bereits vor einiger Zeit getan haben. Alle Dauerkarten enthalten Chips, auf denen die notwendigen Berechtigungsdaten einschließlich persönlicher Angaben bis hin zum Geburtsdatum gespeichert sind. Dass diese Karten auslesbar sind, ergibt sich aus dem Warnhinweis eines Verkehrsverbundes, wonach die Kunden ausdrücklich auf den abschirmenden Schutz der Karten durch metallene Transporttaschen oder -behälter hingewiesen werden. Halten Sie das für besonders vertrauenswürdig?

Auch die Deutsche Bahn weiß die RFID-Technik längst zu schätzen: Seit 2005 bereits enthält die so genannte Bahncard 100 einen entsprechenden Chip. Mit dieser besonderen Variation der bekannten Bahncard lässt sich bekanntlich nicht nur ein Jahr kostenlos Bahn fahren, auch andere Verkehrsmittel bis hin zum Carsharing-Programm stehen gratis zur Verfügung. Bürgerrechtler kritisieren vor allem scharf, dass die Deutsche Bahn die chip-bestückte "Bahncard 100" ohne jede Unterrichtung der betroffenen Kunden eingeführt hat. Wer eine solche Karte kauft, hat keine Wahlmöglichkeit – während etwa andere Karten des Unternehmens je nach Wunsch mit oder ohne Passbild ausgegeben werden, gibt es die "100er" ausnahmslos nur mit Chip. Zwar müssen diese Karten bei Fahrtantritt oder -ende nicht eingelesen werden, aber bekanntlich erlaubt diese Technik per Lesegerät eine automatische und vom Kunden nicht bemerkte Erfassung.

Wie auf der Erde, so (bald) auch in der Luft: Das europäische Forschungsprojekt SAFEE (Security of Aircraft in the Future European Environment) ist bemüht, das ultimative Luftfahrtsicherheitssystem im Zuge der globalen Terrorabwehr zu entwickeln. Mit an Bord sind da selbstverständlich auch RFID-Chips für Passagiere und Gepäckstücke. In Verbindung unter anderem mit biometrischer Kameraüberwachung und anderen technischen Raffinessen soll so ein Flugerlebnis ermöglicht werden, das trotz aller Sicherheitsschranken dennoch Vertrauen genießt. Ein hoher Anspruch, an dem der Verbund namhafter Flugzeugbauer und IT-Firmen da arbeitet, denn kritischen Passagieren müsste unter anderem auch die Frage beantwortet werden, wer denn alles Zugriff auf die von ihnen bei Ein-und Auschecken sowie Flug gesammelten Daten haben darf. In Erinnerung an die so genannte Flugdatenaffäre um Übermittlung europäischer Passagierlisten an US-amerikanische Behörden könnte manchem Fluggast da schon der Appetit vergehen.

Aber bis es soweit ist, müssen sich datenhungrige "Profiler" mit den buchstäblich irdischen Möglichkeiten zufrieden geben – und das sind auch über die Grenzen der individuellen Mobilität hinaus nicht wenige. Denn RFID-Chips in Fahrkarten finden ihre unmittelbare Parallele und Ergänzung in solchen Funketiketten, die beispielsweise in Eintrittskarten und Veranstaltungstickets, in Bibliotheksausweisen und einzelnen Büchern untergebracht sind. Um den Rahmen dieses Abschnitts "RFID und Mobilität" jetzt nicht zu sprengen, sei dieser Bereich hier nur in Stichworten angerissen:

  • Die RFID-Chips in den Tickets zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben bereits damals zu erheblichem Aufsehen und auch zu punktueller Beunruhigung geführt.
  • Bibliotheken steuern bereits sowohl ihre Buchausleihe als auch ihre Zugangskontrollen mit Hilfe von RFID-Technik: Ein Missbrauch der dabei entstehenden Datenpools könnte umfassende Profile, wer wie viel und was liest, liefern – von wegen "die Gedanken sind frei"!
  • Etliche Hochschulen haben längst ihre Studierendenausweise mit RFID-Chips ausgestattet. In der Regel handelt es sich zwar um Nahfeld-Auslesung, aber auch hier eröffnet die Gewöhnung der Betroffenen an diese Technik ungeahnte Möglichkeiten späterer Ausweitung und Missbrauchs.

RFID in Fahrkarten, Mitgliedsausweisen oder Veranstaltungstickets werden in der heutigen Zeit häufig mit Sicherheits-Argumenten begründet. Aber gerade das sollte Sie, wenn Ihnen derartige Konzepte untergeschoben werden, besonders misstrauisch machen. Denn von der Kontrolle Ihrer persönlichen Sicherheit in Bahn, Bus, Stadion oder Konzerthalle zur Überwachung Ihrer Person ist es wirklich nur noch ein klitzekleines Schrittchen.

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