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Ursprünglich ist RFID nichts anderes als eine Warenmarkierungstechnologie. Und in eben diesen Bereichen kann sie betriebswirtschaftlich nützlich sein. Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick auf den Bereich Transportwesen und Logistik, auf vielfältige Anwendungsmöglichkeiten der kleinen Funkchips, auch "Transponder" genannt – fast ohne Risiken aus Sicht des Datenschützers. Fast.
Vor einigen Jahren verbreitete IBM einen skurrilen Fernsehwerbespot: Ein Lkw braust über eine menschenleere Wüstenpiste und wird plötzlich zu einer Vollbremsung gezwungen, weil mitten auf der Straße ein Schreibtisch auftaucht. Es ist ein IBM-Helpdesk, dessen Mitarbeiterin dem verblüfften und erbosten Trucker erklärt, er fahre in die falsche Richtung. "Woher wissen Sie das?", fragt der Fahrer. "Von Ihrer Ladung", antwortet die IBM-Frau – worauf der Trucker kontert: "Vielleicht sollten künftig die Kisten fahren?"
Was damals visionär erschien, wird mittlerweile mehr und mehr Realität. RFID-Technik kann es heute ermöglichen, dass nicht Maschinen Pakete und Container steuern, sondern dass umgekehrt Frachtstücke und Verpackungen selbst in die Lenkung der Transportprozesse eingreifen. Genauer: Der kleine Funkchip, der an ihnen "klebt", kann dazu beitragen, Lagerung ebenso wie Verladung und Beförderung zu beeinflussen; das Wort "steuern" wäre derzeit zwar noch eine Übertreibung, aber mittelfristig erscheint auch das nicht mehr ausgeschlossen. RFID hilft, die physischen Warenströme und die mit ihnen verknüpften Informationsströme immer enger miteinander zu verbinden, und trägt dazu bei, den Weg einer Ware oder eines Containers mit vielen Waren vom Versender zum Empfänger zu verfolgen – und damit auch zu kontrollieren.
Die so genannte Sendungs-Verfolgung, die Sie vielleicht im kleinen Maßstab von Ihrem Einschreibebrief oder Ihrem Postpaket kennen, wird heute in der globalen Logistik längst umfassend mit Hilfe von RFID-Chips gewährleistet. ( Beispiele )
In der Branche schwärmt man zwar gerne, mit RFID werde Ladung nunmehr intelligent. Aber das ist eine maßlose Übertreibung, Intelligenz ist bekanntlich etwas mehr als nur ein Chip. Wer jedoch so redet, neigt leicht dazu, die Chancen einer neuen Technik überzubewerten – und ungerechtfertigt auszudehnen. Längst sind die Planer solcher Logistikprozesse auf die Idee gekommen, dass die kleinen Funketiketten, von ihren Kritikern "Schnüffelchips" genannt, ohne große Probleme auch Personalkontrollfunktionen übernehmen können. Das reicht von der bloßen Überwachung von Lager-und Verteilungsabläufen bis zur ausdrücklichen Kontrolle des Arbeitstempos und der Leistung der beteiligten Mitarbeiter. Dazu bedarf es noch nicht einmal eines Chips "am Mann", es genügt die rechnerseitige Verknüpfung bestimmter Daten aus der Lagerverwaltung beispielsweise mit Personalplänen, um so relativ exakte Profile über die Beschäftigten anlegen zu können.
Einen weiteren Schritt, der aber über den Anwendungssektor "Logistik" hinaus in nahezu allen Wirtschaftsbereichen nicht nur denkbar, sondern teilweise schon verbreitet ist, stellt die Ausstattung von Mitarbeiterausweisen oder Passierscheinen mit RFID-Chips dar. Da müssten Sie als Betroffener keine Karte mehr durch einen Schlitz ziehen oder vor ein Lesegerät halten – Ihr neuer Ausweis funkt aus der Anzug-oder Overalltasche. Falls Ihr Betrieb in unterschiedliche Sektoren aufgeteilt sein sollte, dessen Passierzonen mit Lesegeräten ausgestattet sind, kann der Arbeitgeber leicht kontrollieren, wie lange sich wer wo aufgehalten hat.
Aber dies alles sind Datenschutzrisiken, die sich mit geltendem Recht weitgehend begrenzen und regeln ließen. Ganz anders sieht es jenseits der großen Logistikkette aus, dort, wo aus den Container-und Paletten-Ladungen einzelne Waren und Artikel in Ladenregale und auf Kaufhaustische wandern. Aber das ist unser nächstes Thema.
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