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"Die papierlose Baustelle rückt jetzt in greifbare Nähe", jubelte ein Anbieter im Oktober 1995 in der Fachzeitschrift "Computerwoche": Vor dreizehn Jahren war die heutige Kommunikationstechnik noch pure Utopie – und dennoch wurde in der Branche bereits darüber nachgedacht, wie der damals aktuelle Entwicklungsstand denn wohl am effektivsten auch in der Arbeitswelt eingesetzt werden könne. Stempeluhren, Arbeitszettel und andere altertümliche Methoden waren zu aufwändig und zu unzuverlässig. Galten damals noch umständlich programmierbare Lesestifte für extra installierte Chips als der Technik feinster Stand, so gibt es heute PDAs, Smartphones, Handys, Blackberrys, RFID und wie die aktuellen Geräte und Anwendungen alle heißen – einfacher zu bedienen, zuverlässiger und weitaus vielfältiger in ihren Funktionen. Sie kennen das, Sie benutzen das eine oder andere täglich? Sie gehören vielleicht auch zu jenen, die ihr Firmen-Handy ausdrücklich auch privat benutzen dürfen? Ist Ihnen denn bewusst, dass Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer mit diesen Techniken rundum kontrollierbar sind?
Das Prinzip ist einfach: Wir reden in diesem Abschnitt von "standortbezogenen Diensten", also von vernetzten Diensten, die Personendaten von wem auch immer mit Zeit- und Positionsdaten verknüpfen und daraus verwertbare Informationen errechnen und bereitstellen. Was also liegt näher, als Ihre beruflich bedingte Anwesenheit an einem bestimmten Ort für einen bestimmten Zweck und eine bestimmte Dauer mit Hilfe solcher "location based services" zu protokollieren und auszuwerten?
Wenn Sie in einem großen Betrieb arbeiten, haben Sie vielleicht das Glück, dass ein selbstbewusster und gut organisierter Betriebsrat oder ein agiler betrieblicher Datenschutzbeauftragter dem Chef auf die Finger schauen beim Einsatz mobiler Zeiterfassung und anderer Datenerhebungs-Techniken. Aber diejenigen unter Ihnen, die solche Vorteile nicht genießen, sind oftmals einer an totale Überwachung grenzenden Zeit- und Tätigkeitsprotokollierung ausgesetzt.
Mobile Zeiterfassung mit entsprechenden Hard- und Softwareangeboten sowie vernetzten Dienstleistungen ist längst eine boomende Branche. Selbst möglicherweise skeptische Arbeitgeber können sich den ökonomischen Zwängen – Flexibilität in konkurrenzgeprägten Märkten sowie Kosteneinsparungen – oft nicht entziehen. Die schnelle Verfügbarkeit erfasster Daten zählt ebenso zu den Vorteilen wie die Möglichkeit der laufenden Überwachung einzelner Projekte, um auf eventuelle Budget- oder Zeitüberschreitungen flink reagieren zu können. Auch die erhöhte Transparenz gegenüber Geschäftspartnern, Auftraggebern oder Kunden macht mobiles Controlling manchem Unternehmer sympathisch.
In der Praxis dürfte, vor allem in kleinen oder schlecht mitbestimmten Unternehmen, den Beschäftigten suggeriert werden, sie müssten einer solchen Datenverarbetung zustimmen um am Arbeitsprozess teilhaben zu können. Und welche Daten dann tatsächlich erfasst werden, wie sie wohin übermittelt, weiter verarbeitet, gespeichert und vor allem gegen unbefugten Abruf und Missbrauch geschützt werden – diese und weitere Fragen qualifiziert zu beantworten, überfordert vermutlich manch einen Arbeitgeber; und Sie als seine Mitarbeiter sowieso. Andererseits ist es für die Beschäftigten immer eine schwere Entscheidung, ob sie sich Hilfe von außen, etwa durch Datenschutzexperten, holen wollen: Schließlich könnte ja der Chef diesen Schritt als Misstrauensbeweis auslegen oder sich unter Druck gesetzt fühlen – und beides kann nachteilig aufs Betriebsklima schlagen. Haben Sie keine Angst, sich in allen Fragen des Datenschutzes an uns als zuständige Aufsichtsbehörde zu wenden: Wir beraten Sie gerne und auf Wunsch auch vertraulich in allen Fragen des Datenschutzes und gehen Hinweisen auf Datenschutzverstöße in der Wirtschaft auch in anonymer Form nach.
Ob im Baugewerbe oder im Anlagenbau, bei Handwerkern, Servicetechnikern oder Versicherungsvertretern im Außendienst, ob in Spedition oder anderen Transport- und Zustelldiensten, bei Pflegedienst, Masseur oder Arzt und, nicht zu vergessen, im boomenden Sektor der Tele-Heimarbeit – es gibt kaum einen Bereich, in dem mobiles Controlling über Handy und Internet nicht betriebswirtschaftlich nützlich einsetzbar scheint. Aber nur selten wird in der Praxis darüber nachgedacht, was der Einsatz solcher Systeme für den Einzelnen für Folgen haben kann.
Denken Sie nur mal darüber nach, was Ihr Arbeitgeber aus Ihren Arbeitszeit- und Lohndaten in der heutigen Zeit alles errechnen könnte: Wollen Sie, dass Ihr Leistungsprofil in der Personalplanung vielleicht dazu führt, Sie selbst oder einzelne Ihrer Kollegen für verzichtbar zu erklären und Zeitdruck nach oben oder Entlohnung nach unten zu schrauben? Und selbst wenn Ihr Arbeitgeber der Gutmensch schlechthin sein sollte, dem Sie niemals einen gegen Ihre Interessen gerichteten Missbrauch Ihrer Daten unterstellen würden: Sind Sie genauso sicher, dass er Ihre Daten auch vor unbefugten Zugriffen geschützt zu halten fähig ist? Was, wenn durch externen Zugriff Ihre Leistungs- oder Lohndaten oder Ihre Fehlzeitenstatistik in falsche Hände geraten?
Halten Sie in Ihrem eigenen Interesse vernetzt arbeitende Erfassungs- und Kontrolltechniken von sich und Ihrem Arbeitsplatz fern, sofern Sie es können. Und falls Sie es nicht vermeiden können, sollten Sie sich nicht scheuen, externe Hilfe selbst in Anspruch zu nehmen.
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