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Begleiten Sie uns bitte auf einen kurzen Abstecher ins Jahr 1995: In diesem Jahr starb mit Konrad Zuse der Erfinder des ersten funktionstüchtigen Computers im Alter von 85 Jahren; zugleich verbreitete Computersoftware-Milliardär und Microsoft-Gründer William H. Gates III., besser als Bill Gates bekannt, einige teilweise beeindruckende Thesen über die computer-gestützte "Zukunft der Informationsgesellschaft". In dem 500 Seiten starken Wälzer unter dem deutschen Titel "Der Weg nach vorn" skizzierte Gates unter anderem die Entwicklung des so genannten "Information Highway" als eine grundlegende Veränderung der Art und Weise, "wie wir leben, arbeiten und lernen".
Gemeint ist die möglichst umfassende Vernetzung aller nur denkbaren Kommunikations- und Datenaustausch-Techniken: Internet und E-Mail, Telefon- und Telefax-Dienste, Rundfunk und Fernsehen - alles soll jederzeit überall jedem zur Verfügung stehen, und zwar immer in einer "zweigleisigen" Form, zu jedem (passiven) Datenempfang gehört zwingend auch die Möglichkeit der aktiven Datenübermittlung. Wenn die bislang auf einzelne Zwecke "spezialisierten Kommunikationssysteme zu einer einzigen digitalen Informationsversorgung zusammengewachsen sind", schrieb Gates damals, "dann haben wir den Information Highway".
Auf den ersten Blick klingt das attraktiv und bequem. Zwar dürfte Ihr Fernsehgerät auch auf lange Sicht nicht umfassend zugleich Ihr PC werden und vielleicht legen Sie selbst in einigen Jahren noch Wert darauf, einen wie auch immer gestalteten Telefonhörer in die Hand nehmen zu können, wenn Sie anrufen wollen. Aber schon heute sind diese und weitere Geräte in vielen Haushalten wechselseitig untereinander verbunden und wenn es nach den Anbietern geht, wird diese Vernetzung in den nächsten Jahren weiter vorangehen. Die Fachleute sprechen hier von "Konvergenz" - das meint, dass verschiedene Anwendungen ähnlicher oder auch unterschiedlicher Art mit technischen Mitteln zu einem neuen Ganzen zusammengeführt werden.
Solche Konvergenz bietet Ihnen vielfältige Möglichkeiten, Ihre Kommunikation mit anderen Menschen (mündlich oder schriftlich, geschäftlich oder privat), Ihren Medienkonsum (Radio, Fernsehen oder Video) und Ihren Umgang mit beliebigen Computeranwendungen (Büroaufgaben, Grafikgestaltung oder Spielkonsole) völlig neu zu organisieren. Das wird vielleicht, je nach Ihrer Fertigkeit, nicht unbedingt einfacher, kann allerdings angenehmer, spannender oder effektiver sein. Aber Sie zahlen auch einen Preis, der nicht in Euro bemessen werden kann - mit einem weiteren Stück Ihrer Privatsphäre.
Denn mit jeder "zweigleisigen" Verbindung – technisch nennt man das bidirektional, gleichzeitig in zwei Richtungen gehend – geraten Sie zwangsläufig in die Situation, dass Sie schon beim Empfang von x-beliebigen Informationen immer auch Daten über sich preisgeben, und sei es nur durch den Aufbau einer Verbindung mit Rückkanal. Erst recht aber füttern Sie andere mit Daten über sich, wenn Sie Informationen versenden – wobei die aktiv von Ihnen gesendeten weniger brisant sein können für Ihre Privatheit als die dabei unbewusst übermittelten. Bill Gates hat das in seinem oben genannten Buch in plakative Worte gekleidet: "Mit seiner Hilfe", gemeint ist der Information Highway, "werden die Hersteller weit besser als bisher erkennen können, was die Käufer wünschen." Das heißt nichts anderes, als dass der Information Highway und die ihn maßgeblich prägende Vernetzung unmittelbar bewirken sollen, Ihr persönliches Profil zur umfassenden Vermarktung verfügbar zu machen. Ob Kunde, Arbeitnehmer, Patient, Lernender oder Bürger – Sie werden gläsern.
Sie möchten das nicht? Lassen Sie uns Ihnen dabei helfen.