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"Google ist ein Datenkrake", haben wir eingangs geschrieben, und wir haben Ihnen in aller Kürze zu erläutern versucht, wie dieser Krake Ihre Daten auszuforschen und zu sammeln bemüht ist. Wir haben Ihnen erklärt, wie Google mit Cookies umgeht und heimlich individuelle Nummern vergibt, die Ihnen eine eindeutige Identität im Google-Universum zuordnen. Google ist nicht einfach eine Suchmaschine; und auch der beschriebene Mail-Service kann, wenn Sie ihn nutzen, einschneidende Folgen für Ihre Datensicherheit haben. Aber Google ist weit mehr. Es gibt kaum noch eine Funktion, die für einen Internet-Nutzer von Interesse sein könnte, die nicht (auch) von Google angeboten wird.
Gleichgültig, für welchen Dienst Sie sich entscheiden, die Praktiken sind immer dieselben oder ähnlich. Google bietet Ihnen scheinbar bequemes Arbeiten mit PC und Internet an - und wenn Sie darauf hereinfallen, liefern Sie Daten, die Ihr gespeichertes Profil verfeinern helfen und Sie durchsichtig machen für Googles Werbekunden. Um nichts anderes geht es: Mit Ihrem Profil verhökert Google auch ein Stück Ihrer Identität. Es ist erst zehn Jahre her, dass die Google-Erfinder ihre Suchmaschine - und damals war es tatsächlich nicht mehr - freigeschaltet haben. In diesen zehn Jahren hat Google rund 40 Prozent des Internet-Werbemarktes erobert; im Jahre 2007 wies die Google-Bilanz 16 Milliarden Dollar Umsatz aus (rund 11,1 Milliarden Euro) und eine Umsatzrendite von mehr als 30 Prozent. Und Sie haben möglicherweise maßgeblich dazu beigetragen.
Lassen Sie uns Ihnen abseits von Suchmaschine und Mail-Service einige weitere Google-Dienste kurz vorstellen, um zu verdeutlichen, wie tief sich Google in Ihre sehr private Welt hineingräbt und Daten baggert, was das Zeug hält.
Ganz aktuell hat Google für Schlagzeilen gesorgt mit der Vorstellung eines eigenen Browsers namens "Chrome". Sie wissen schon: "Browser" nennt man jene Programme, die Ihnen die Inhalte von Webseiten auf Ihrem Bildschirm darstellen. Der am weitesten verbreitete Browser ist nach wie vor der "Internet Explorer" von Microsoft, viele andere arbeiten aber inzwischen auch mit dem "Firefox" der Mozilla-Stiftung oder dem "Opera" des gleichnamigen norwegischen Anbieters. Und nun noch ein Browser? Gleich die ersten Reaktionen der Fachöffentlichkeit waren gespalten: In der bloßen Anwendung habe "Chrome" einiges zu bieten, wurde das Programm gelobt - aber mit dem Datenschutz hapere es doch gewaltig. Na, so was: Typisch Google?
Um Sie hier nicht mit technischen Details zu langweilen, beschränken wir uns auf zwei Aspekte: Zum einen wird Ihnen - ähnlich wie bei der Cookie-Vergabe - mit jeder Installation von Chrome auf Ihrem PC eine Identifikationsnummer zugeteilt, die auch an Google übertragen wird. Allerdings ist dieser Vorgang nach Expertenansicht schwer kontrollierbar, niemand weiß daher genau, was Google mit dieser Nummer eigentlich bezweckt. Beunruhigend ist aber, dass diese Nummer selbst bei Deinstallation des Programms auf Ihrem PC erhalten bleibt. Zum anderen sei hier die Adresszeile erwähnt, mit der Sie beliebige Webseiten aufrufen können: Bei Chrome allerdings wird jede Eingabe an die Google-Suchmaschine gesendet, die Sie dann mit Ergänzungsvorschlägen und zusätzlichen Suchbegriffen unterstützt. Was wie ein toller Service klingt, der das Surfen so richtig bequem macht, ist unterm Strich nichts anderes als eine weitere Datenabzocke, denn die Funktion kann von Google selbstverständlich dazu genutzt werden, das Wissen über jeden individuellen Nutzer zu erhöhen.
Sie haben gelegentlich Probleme, auf Ihrem PC mit seinen vielen Programmen und Daten den Überblick zu behalten oder einzelne Dateien wiederzufinden? Sie wissen doch: Google mag Sie sehr und bietet Ihnen folglich auch hier seine Hilfe an. Google Desktop nennt sich eine auf Ihrem PC zu installierende Suchanwendung, "die eine Volltextsuche in Ihren E-Mails, Dateien, Musikdateien, Bilddateien, Chats, in Google Mail und auf aufgerufenen Webseiten ermöglicht". Was wie ein toller Service klingt, der Surfen und Computernutzung so richtig bequem macht, ist mit Vorsicht zu genießen: Es ist nicht wirklich klar, was von Ihren Suchaktivitäten Google Desktop an die Google-Server überträgt. Sie sind gerne informiert über das aktuelle Zeitgeschehen in Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport? Google unterstützt Sie auch hier: Der "News"-Dienst listet in Sekundenschnelle Nachrichten und Kommentare aus etlichen Zeitungen und Online-Diensten auf. Sie können lesen, blättern und sogar recherchieren, denn mit einer Suchfunktion finden Sie zu selbst gewählten Stichworten nicht nur die Nachrichten von heute, sondern auch von vorgestern. Wenn Sie die Startseite von Google News einfach nur aufrufen und lesen, passiert nicht viel - aber wehe, Sie fangen an, einzelne weiterführende Links anzuklicken oder gar die Suche zu benutzen: Sie glauben ja gar nicht, wie wertvoll die Auswahl der Sie aktuell interessierenden Themen für einen Datensammler ist, der Ihr Profil verfeinert wissen möchte. Erinnern Sie sich bitte: Googles Ziel ist die auf Sie und Ihre Ambitionen zugeschnittene Werbung!
Terminprobleme? Google hilft! - Sie können sich flugs beim Google Kalender anmelden. Ja, anmelden: Wir reden nicht von einem Programm wie Outlook, Evolution oder Lotus Organizer, das Sie auf Ihrem PC installieren, um dort Ihre Termine zu verwalten und sie vielleicht - wenn Sie es wollen und wann Sie es wollen - anderen mitzuteilen. Nein, Google Kalender ist eine Funktion, die auf dem zentralen Server des Dienstleisters betrieben wird. Sie melden sich dort an, dann geben Sie dort Ihre Termine ein, einmalige ebenso wie wiederkehrende. Und Sie können sogar ausgewählten anderen Menschen gestatten, auf Ihren Terminplaner zu schauen und dort Einträge vorzunehmen. Google verwaltet fortan Ihre Termine, Ihre Erinnerungen und alles, was dazu gehört. Google behält sich vor, Ihnen zu Ihren Terminen oder Erinnerungen passende zusätzliche Informationen und Werbelinks bereit zu stellen, Google protokolliert (und speichert) die Art und Weise, wie Sie mit Ihrem Kalender umgehen. Und wenn Sie nicht aufpassen bei der Einrichtung Ihres Kalenderkontos, kann sogar die ganze Web-Welt mitlesen, wann Ihre Oma Geburtstag hat und wann Sie sich bei welchem Arzt angemeldet haben.
Wollen Sie wirklich so löcherig sein? - Google sieht sich angegriffen und beteuert immer aufs Neue, dass es den Datenschutz achtet. Abgesehen davon, dass die entsprechenden Erklärungen von Fachleuten für windelweich gehalten werden, bleibt eines festzuhalten: Viele Daten saugende Funktionen der verschiedenen Google-Dienste lassen sich abschalten (siehe "Erste Hilfe") - aber dazu muss man wissen, wie das geht. Der einfache Anwender hat diese Kenntnisse in der Regel nicht und ist deshalb nichts weiter als ein Opfer.
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