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Ihr Postgeheimnis können Sie getrost vergessen .

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Stand November 2008
Google Mail - Ihre ganz private Kommunikation wird zur Ware

Eine der beliebtesten Funktionen, die durch die Internet-Technik möglich geworden sind, ist das Versenden und Empfangen persönlicher Nachrichten, E-Mail genannt. Wenn Sie selbst Internetnutzer sind, kennen Sie sich vermutlich mehr oder weniger gut aus: Sie richten sich bei Ihrem Internetanbieter, dem so genannten Provider, oder bei einem freien Dienst, ein Mail-Konto ein, bekommen - oder geben sich selbst - eine dieser hübschen Adressen, in deren Mitte irgendwo das typische Zeichen @ steht, von manchen "Klammeraffe" genannt. Und schon können Sie einzelnen oder mehreren Menschen Textnachrichten, Bilder, Dateien, Videos und vieles andere mehr schicken, können entsprechende Botschaften von anderen empfangen, erhaltene weiterleiten, beantworten, ausdrucken usw.

Vielleicht gehören auch Sie noch zu jenen Menschen, die da glauben, dass E-Mails - wie seinerzeit die Versendung eines Briefes mit der guten, alten Bundespost - sich durch so etwas wie Vertraulichkeit auszeichnen. Das ist leider nur sehr begrenzt der Fall. Grundsätzlich ist eine E-Mail, die Sie versenden, mindestens so öffentlich wie eine Postkarte: Jeder, der sie in die Finger bekommt, kann sie lesen und kopieren oder speichern. Bei Postkarten waren und sind das die - zur Vertraulichkeit verpflichteten - Postbeschäftigen in Verteilung, Transport und Zustellung; bei E-Mails sind das alle, die Ihrer Nachricht ihren Weg durch die technischen Systeme von Ihrem PC über meist mehrere "Server" zum Empfänger ermöglichen. Und ebenso wie gelegentlich bei der Post gibt es auch bei E-Mails immer wieder mal "schwarze Schafe", die die eigentlich gebotene Vertraulichkeit missachten.

Aber wir reden hier ja nicht von Schwachstellen durch illegales Handeln und auch nicht über allgemeines Wissen zum sicheren E-Mailing etwa durch Verschlüsselung. Wir wollen Sie heute aufklären über jene Sicherheitslücken, die Sie selbst durch Unachtsamkeit oder Unwissen aufreißen - und die andere völlig legal nutzen, um aus Ihren sehr persönlichen Daten Kapital zu schlagen. Wie viele andere Internetdienstleister bietet auch Google Ihnen neben vielen anderen Funktionen die Möglichkeit, Ihre E-Mails kostenlos zu versenden und zu verwalten. Es gibt da nur einen kleinen, aber folgenreichen Unterschied:

Wenn Sie sich beispielsweise bei einem herkömmlichen Provider ein E-Mail-Konto besorgen und Ihre elektronische Post dann mit Hilfe von Programmen wie Thunderbird, Pegasus oder Outlook direkt auf Ihrem PC oder Laptop organisieren, dann laden Sie eingehende Mails vom Server Ihres Anbieters herunter, was in der Regel (je nach eingesetztem Übertragungsprotokoll und nur eingeschränkt durch gesetzliche Vorgaben) bedeutet, dass diese Mails auf dessen Server gelöscht werden. Ihre E-Mails sind dann zwar, wie oben beschrieben, auf ihrem Weg vom Absender zu Ihnen in gewisser Weise unsicher - aber danach haben Sie allein die Kontrolle über Ihre elektronische Post. Das ist bei Google Mail anders. Denn bei Google verwalten Sie Ihre Mails - einschließlich Verfassen, Versenden, Speichern oder Sortieren - via Internet auf dem Google-Server.

Dieses Webmail genannte Verfahren wird zwar auch von anderen Providern angeboten. Es wird vor allem von Leuten, die viel unterwegs sind und mal eben von irgendwo auf ihre E-Post zugreifen wollen, genutzt. Und je nachdem, wo Sie Ihr Webmail-Konto pflegen, kann es Ihnen auch passieren, dass Ihre E-Mails mit Werbung des jeweiligen Anbieters bepflastert werden. Gerade GMX-, Hotmail- oder Web.de-Kunden wissen ein Lied davon zu singen, manche von diesen Diensten verschonen auch Ihre direkt verwalteten E-Mails nicht von eingeblendeten Anzeigen. Aber der Google-Konzern wäre nicht er selbst, wenn er nicht Ihre E-Mails auf ganz besondere Art behandeln würde.

"Wir möchten, dass Google Mail der beste und nützlichste Webmail-Dienst der Welt ist" schreibt Google schönrednerisch: "Ein kostenloser Dienst für alle, die ihn nutzen möchten." Für die Naiven unter den Kunden findet sich an anderer Stelle dazu auch eine Begründung: Auf die Frage "Und das kostet nichts?" gibt Google die hübsche Antwort: "Ganz genau - es ist verrückt, aber wir mögen Sie eben sehr." Wem das allerdings zu naiv und blöde klingt, der sollte sich vor einer Anmeldung bei Google Mail etwas genauer durchlesen, was ihn - und seine E-Mails - erwartet. Wir geben Ihnen hier schon mal ein paar Richtungshinweise.

Google rühmt sich beispielsweise, dass Ihre E-Mails insofern besonders sicher sind, als nicht nur sie selbst, sondern immer auch mehrere Sicherheitskopien gespeichert würden, "damit wir Konten im Fall von Fehlern oder Systemausfällen wiederherstellen können". Und: "Auch wenn ... ein Konto nicht mehr aktiv ist, können Nachrichten für einen gewissen Zeitraum noch auf unserem Backup-System verbleiben." Das klingt für unbefangene Leser zwar wie besonders hochwertiger Kundenservice - aber sensiblen Nutzern können leicht auch die Haare zu Berge stehen bei dem Gedanken, dass ihre Daten vielleicht bis St. Nimmerlein bei Google herumschwirren.

Unter dem Stichwort "Datenschutz" beteuert Google, dass "Inhalte von E-Mails oder personenbezogene Informationen niemals an Inserenten weiter" gegeben würden. ‚Na, ja', werden Sie denken, ‚das ist doch wohl selbstverständlich!'. Google geht sogar noch einen Schritt weiter und sichert Ihnen zu: "Keine Person liest E-Mail-Nachrichten, um gezielte Werbung oder verwandte Informationen ... zu positionieren." Sie halten das für besonders vertrauenswürdig? Pustekuchen! Denn Google gesteht: "Unser System ... durchsucht den Inhalt Ihrer Nachrichten automatisch nach Keywords, damit wir Ihnen nur relevante Informationen liefern."

Mit anderen Worten: Google braucht keine Menschen, um Ihre E-Mails auszuspionieren. Google spart lediglich Personalkosten, um seinen Börsenmarktwert hoch zu halten, und effektiviert zugleich die Schaltung von Werbung in Ihren E-Mails, um seinen Inserenten bessere Trefferquoten als andere bieten zu können. Google macht alles, was Sie Ihren Freunden, Verwandten oder Kollegen schreiben oder senden, ebenso zur Kommerzmasse, zur Ware, wie alles, was Sie von anderen auf dem E-Mail-Wege empfangen. Und nun erinnern Sie sich bitte daran, was wir Ihnen zuvor über so genannte Profile und wie sie zustande kommen erzählt haben - Sie sollten sich genau überlegen, ob Google Mail der für Sie geeignete Dienst ist. Glauben Sie noch an die Existenz Ihrer Privatsphäre?

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